Best Practice Wohnen
Ihr plant ein gemeinschaftliches Wohn- oder Bauprojekt und sucht nach praktischen Lösungen für Finanzierung, Rechtsform und Organisation? Dieser Workshop zeigt euch drei erfolgreiche Beispiele selbstorganisierter Immo*viel*ien: eine ländliche Hofgemeinschaft, ein städtisches Mietshäuser-Syndikat-Projekt und eine Kulturgenossenschaft. Alle drei Projekte haben unterschiedliche Wege gefunden, bezahlbaren Wohn- oder Kulturraum zu schaffen und Gemeinschaft zu leben.
Wir präsentieren euch drei konkrete Praxisbeispiele mit Ausblicken zu Finanzierung, Rechtsform und Herausforderungen. In Impulsvorträgen erfahrt ihr, wie die Projekte entstanden sind, welche Hindernisse überwunden wurden und wie sie heute funktionieren. Anschließend diskutieren wir gemeinsam Fragen und Erfahrungen aus dem Publikum.
Nach dem Workshop kennt ihr drei bewährte Modelle für gemeinschaftliches Bauen. Ihr gewinnt Einblicke, welche Rechtsformen und Finanzierungsansätze für euer Projekt geeignet sein könnten und habt konkrete Ansprechpartner für den weiteren Austausch. Ihr geht motiviert und mit praktischen Ideen in die Umsetzung eurer eigenen Pläne.
Auf einen Blick
Genossenschaft vs. Mietshäuser Syndikat: Beispiele der häufigsten Rechtsformen
Finanzierungsmodelle: Direktkredite, Eigenkapital und Bankfinanzierung
"1000x1000"-Prinzip: Wie 1.000 Menschen eine Million Euro aufbringen können
Ländliche Hofgemeinschaft: Leben und Arbeiten in regenerativer Landwirtschaft
Urbane Umnutzung: Von der Industriehalle zum Wohnprojekt
Kulturgenossenschaft: Leerstand wiederbeleben durch Bürgerbeteiligung
Herausforderungen: Konflikte lösen und Motivation aufrechterhalten
Erfolgsfaktoren: Struktur, Vision und Unterstützung im Umfeld
Dominik Wlotzka
Dominik Wlotzka lebt seit vier Jahren in der Schäferei Arensnest eG, einer Gemeinschaft von 24 Menschen im Naturpark Hoher Fläming. Er studiert Soziale Arbeit und ist für die Buchhaltung der Genossenschaft zuständig. Mit seiner Partnerin und gemeinsamer Tochter erlebt er täglich, wie das gemeinschaftliche Wohnen als junge Familie auf dem Land funktioniert und welche Herausforderungen es mit sich bringt.
Kassandra Löffler
Kassandra Löffler wohnt seit 2016 im Baumhaus, dem ersten Mietshäuser-Syndikat-Projekt in Weimar. Sie hat Architektur und Urbanistik studiert und war maßgeblich am Umbau der ehemaligen Industriehalle in ein Wohnprojekt mit acht Wohneinheiten beteiligt. Sie zeigt, wie Mieter:innen selbst zu Produzent:innen von Wohnraum werden können und dabei langfristig bezahlbare Mieten erreichen.
Karina Halbauer
Karina Halbauer ist Vorständin der KulturQuartier Schauspielhaus eG in Erfurt. Die studierte Medienpädagogin gestaltet seit 15 Jahren die Kulturlandschaft Erfurts mit. Sie zeigt, wie über 900 Genossenschaftsmitglieder mit dem "1.000x1.000"-Prinzip gemeinsam eine Million Euro Eigenkapital aufgebracht haben, um ein 15 Jahre leerstehendes Schauspielhaus zu kaufen und zu revitalisieren.
Learnings
Verschiedene Wege führen zum Ziel
Genossenschaft, Mietshäuser Syndikat oder Verein - für jedes Projekt gibt es passende Rechtsformen. Entscheidend ist, welche Ziele euch besonders wichtig sind: bezahlbaren Wohnraum schaffen, Spekulation verhindern oder kulturelle Räume basisdemokratisch entwickeln. Die drei Projekte zeigen, dass sowohl auf dem Land als auch in der Stadt gemeinschaftliche Lösungen erfolgreich sind.
Finanzierung braucht Kreativität und Durchhaltevermögen
Direktkredite von Unterstützer:innen, Eigenkapital durch Genossenschaftsanteile und klassische Bankkredite lassen sich geschickt kombinieren. Das "1.000x1.000"-Prinzip beweist: Wenn viele Menschen kleine Beträge beisteuern, entstehen große Summen. Wichtig ist ein überschaubarer Finanzierungsrahmen und realistische Zahlungsziele.
Gemeinschaft ist herausfordernd, aber lohnenswert
Konflikte gehören dazu, wenn Menschen gemeinsam wohnen und entscheiden. Eine gesunde Konfliktkultur und klare Strukturen helfen dabei, Probleme zu lösen. Alle drei Projekte betonen: Das Miteinander ist anspruchsvoll, aber es entstehen Räume für Solidarität, geteilte Ressourcen und neue Formen des Zusammenlebens.
Unterstützung aus dem Umfeld ist entscheidend
Erfolgreiche Projekte haben starke Netzwerke. Ob Beratung durch erfahrene Initiativen, fachlicher Beirat oder politische Unterstützung - externe Hilfe beschleunigt Prozesse und verhindert Anfängerfehler. Die Zwischennutzung hilft dabei, für die Idee zu werben und sich als Projekt zu etablieren, bevor der große Umbau beginnt.
Weiterführendes Wissen
Gute Beispiele
Schäferei Arensnest eG – solidarisch, ländlich, selbstorganisiert
Baumhaus Weimar – Mietshäuser Syndikat im urbanen Kontext
KulturQuartier Schauspielhaus eG – Kulturprojekt mit Genossenschaftsstruktur
Literaturempfehlungen
Stiftung trias: „Gemeinwohlorientiertes Eigentum sichern“
Netzwerk Immovielien: „Wie wir wohnen wollen“
AG Wohnprojekte: „Rechtsformen in der Wohnprojektarbeit“