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Wenn die Gruppe in Konflikt gerät

Konflikte gehören zu jeder Gemeinschaft – ob in Wohnprojekten, solidarischer Landwirtschaft oder Gründungsinitiativen. Wo Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenleben oder arbeiten, entstehen Spannungen um Zugehörigkeit, Entscheidungsmacht und Rollen. Besonders intensiv wird es, wenn sich Lebens- und Arbeitsraum überschneiden.

Wir verbinden theoretische Grundlagen des A.T.C.C.-Ansatzes mit praktischen Methoden. Im Zentrum steht das Verständnis von Konflikten als Entwicklungsmotor für Gruppen, und wie ihr verschiedene Dimensionen von Konflikten in eurer Gemeinschaften erkennt und konstruktiv bearbeitet könnt.

Ihr lernt, Konflikte nicht als Bedrohung, sondern als Entwicklungschance zu begreifen. Das Workshop-Material bietet euch einen strukturierten Zugang zur Konfliktbearbeitung und konkrete Methoden, um Dynamiken in eurer Gruppe zu reflektieren und konstruktiv zu bearbeiten.

Auf einen Blick

  • A.T.C.C.-Modell als Grundlage der Konfliktbearbeitung verstehen

  • Sechs Konfliktebenen unterscheiden: Person, Regeln, Struktur, Werte, Kultur, Rituale

  • Strukturellen Einfluss auf Konfliktverschärfung oder -entschärfung erkennen

  • Passende Bearbeitungsmethoden für jede Konfliktebene anwenden

  • Praktische Übung: „Mein Platz in der Gruppe". Zugehörigkeit und Ausschluss in der eigenen Gruppe reflektieren

Wenn die Gruppe in Konflikt gerät

Julia Legge

Foto: Thomas Müller

Julia lebt seit 2021 in einer Hofgemeinschaft im Naturpark Hoher Fläming und ist Vorstandsmitglied der Genossenschaft Schäferei Arensnest e.V. Dort gestaltet sie ein Leben in Gemeinschaft mit Kindern, Tieren und den alltäglichen Herausforderungen. Beruflich arbeitet sie als Trainerin und Beraterin für Konfliktbearbeitung bei Konfliktpotential in Leipzig. Sie unterstützt zivilgesellschaftliche Organisationen und Einzelpersonen darin, mit Krisen umzugehen und an ihnen zu wachsen.

Learnings

Konflikte als Entwicklungsmotor verstehen

Konflikte signalisieren, dass etwas in Bewegung ist. Anstatt sie zu vermeiden, solltet ihr als Gruppe lernen, Spannungen früh wahrzunehmen und anzusprechen. Richtig bearbeitet können Konflikte Bindungen vertiefen und Strukturen verbessern – sie sind nicht das Ende einer Gemeinschaft.

Alle sechs Konfliktebenen in den Blick nehmen

Oft konzentrieren sich Gruppen nur auf die persönliche Ebene. Nachhaltiger Umgang erfordert jedoch, dass ihr auch die anderen Konfliktebenen (Regeln, Struktur, Werte, Kultur und Rituale) betrachtet. Unklare Entscheidungswege oder fehlende Rollenbeschreibungen können Konflikte befeuern.

Wahrnehmung kommt vor Bewertung

Der erste Schritt ist das genaue Hinschauen: Was ist eigentlich los? Methoden wie die Aufstellung mit Gegenständen helfen, komplexe Dynamiken sichtbar zu machen, bevor ihr in Rechtfertigung oder Schuldzuweisung verfallt. Zugehörigkeit und Ausschluss sind dabei zentrale Dimensionen.

Externe Unterstützung kann Blockaden lösen.          
Wenn Konflikte in eurer Gruppe festgefahren sind, lohnt sich der Blick von außen – sei es durch Moderation Dritter, Mediation oder fachliche Beratung.

Weiterführendes Wissen

Links

Literaturempfehlungen

  • UmGäng: Handbuch Transformative Gerechtigkeit - Selbstorganisierte Umgänge mit Konflikten und zwischenmenschlicher Gewalt (ab 15.Oktober 2025 erhältlich)

  • Heinz Feldmann - Praxishandbuch Leben in Gemeinschaften

  • adrienne maree brown: Emergent Strategy. Shaping Change, Changing Worlds (Englisch)

  • Karl-Heinz Bittl-Weiler: Wer streitet hat mehr vom Leben! – Konflikte konstruktiv bearbeiten.

  • Konfliktpotential: Konfliktlinien-Magazin (https://www.konfliktpotential.org/das-konfliktlinien-magazin-ist-da/)